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Kein Fest der Freude für München

7. Juli 2011

Kein Fest der Freu(n)de für Münchens – Amigo’s ……

Entäuschte Gesichter bei den Mitgliedern der deutschen Delegation, die Entscheidung ist gegen München gefallen. IOC-Präsident Rogge verkündete die niederschmetternde Nachricht und in Südkorea wird gejubelt.

Pyeongchang  wird der Austragungsort für die Winterspiele 2018 sein. Der bayerische Traum vom Wintermärchen 2018 ist geplatzt. Ein Fest der Freundschaft wollten die Münchener 2018 austragen, doch bereits im ersten Wahlgang votierte das IOC mit absoluter Mehrheit für SüdKorea. Das Olympische Motto: „Dabei sein ist alles“ dürfte bei vielen Münchnern vorerst für leichte Wehmut sorgen, dennn in diesem Wettbewerb konnte es nur einen Sieger geben.

Der Südkoreanische Bewerbungschef Cho Yang Ho auf der anschließenden Pressekonferenz:

nach zwei Jahren harter Arbeit waren wir erfolgreich. Ich bin sehr dankbar und in Süd-Korea feiern jetzt bereits 50 Millionen diesen Sieg.

In Pyeongchang quittierten die Menschen die Entscheidung mit ausgelassenen Jubel. Süd-Korea hatte sich für 2010 und auch 2014 vergeblich beworben und wurde nicht berücksichtigt.

Der Austragungsort Pyeonchang kann sich in Sachen Wintersport-Tradition sicher nicht mit München messen. Im dritten Anlauf mit ihrer Bewerbung erfolgreich, wollen die Süd-Koreaner der Welt 2018 die perfekten Winterspiele präsentieren.

Nach der Pflicht folgt jetzt die Kür für die Asiaten. Es wird ein Fest der Freude, da kann man sicher sein. Wer die Süd-Koreaner kennt, weiss genau, dass sie letzlich bis zur Selbstentwürdigung ihr Plichtbewusstsein unter Beweis stellen wollen.

Die Gründe für die Vergabe an Pyeonchang bleiben wohl im Hintergrund. Wer aber beobachtet hat, was sich in solchen Vergabe-Komitee’s in der Vergangenheit abspielte, hat auch hier berechtige Zweifel. Es sei an den faden Beigeschmack bei der FIFA-vergabe der Fussball-Weltmeisterschaft nach Katar oder an den Vergabe-Skandal im Vorfeld der Winterspiele von Salt Lake City 2002, erinnert.

Professor Wolfgang Maennig, 1988 Olympiasieger im Rudern und heute Professor am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik sowie Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Universität Hamburg, schreibt über die Geschichte der Korruption im Sport.

Wir dürfen uns nichts vormachen, Korruption gab es im Sport schon immer. Der erste dokumentierte Fall stammt aus dem Jahr 388 vor Christus, als der Athlet Eupolos aus Thessalia drei seiner Gegner im Faustkampfturnier der Olympischen Spiele bestach, unter ihnen Olympiasieger Phormion aus Halikarnassos. Der Fall des Damonikos von Elis (12 v.Chr.) ist ebenfalls erwähnenswert, weil die olympische Korruption erstmalig einen Funktionsträger involvierte. Damonikos, Vater des Ringers Polyktor, bestach Sosandros, damit dessen gleichnamiger Sohn den Sieg Polyktor überließe.

Der wohl berühmteste Korruptionsskandal im Weltsport rankte sich um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 an Salt Lake City. Die Führung des Bewerbungskomitees um den Vorsitzenden Tom Welch und seinen Stellvertreter Dave Johnson soll Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit Reisen, Immobiliengeschäften, Barzahlungen und sonstigen Vorteilsgewährungen wie zum Beispiel Aufenthaltsgenehmigungen und Uni-Stipendien für Angehörige in Wert von rund 1,2 Millionen US-Dollar beeinflußt haben. Freilich dürfte das US-Olympia-Bewerbungskomitee dem Vernehmen nach nicht das erste mit solchen Verhaltensweisen gewesen sein.

Der Fall von Salt Lake City führte zum Ausschluß von sechs IOC-Mitgliedern. Vier traten zurück, zehn weitere erhielten Verwarnungen. Darüber hinaus kam es zu einer drastischen Strukturreform des IOC. Allerdings gelang es 2004 britischen Journalisten, die sich als Unterstützer der Londoner Olympiabewerbung für 2012 ausgaben, das IOC-Mitglied Iwan Slawkow vor versteckter Kamera zur Einwilligung in einen Stimmenkauf zu bewegen. Der Bulgare wurde suspendiert.

Die Spiele von Salt Lake sind mit einem weiteren Korruptionsfall behaftet. Die französische Eiskunstlaufschiedsrichterin Marie-Reine Le Gougne sicherte den Russen Jelena Bereschnaja und Anton Sicharulidse mit einer unangemessen hohen Benotung den Olympiasieg im Paarlauf. Im Gegenzug soll ein russischer Schiedsrichter den Franzosen Marina Anissina und Gwendal Peizerat die Goldmedaille im Eistanz gesichert haben. Auch hier reagierte das IOC schnell: Den geschädigten kanadischen Paarläufern Jamie Sale und David Pelletier wurde nachträglich ebenfalls Gold verliehen. Die Schiedsrichterin und der Präsident des französischen Verbandes wurden für jeweils drei Jahre gesperrt und von den Winterspielen 2006 ausgeschlossen. Ferner hat der internationale Eiskunstlaufverband ein neues Bewertungssystem eingeführt.

Ein Skandal bei den olympischen Boxkämpfen von 1988 wurde erst durch die Offenlegung der Stasi-Akten dokumentiert. Die Kampfrichter erhielten demnach Bestechungsgelder, damit Koreaner siegten. Hauptbetroffener: US-Supermittelgewichtboxer Roy Jones, der sich hinter dem Koreaner Park Si-Hun mit Silber zufriedengeben mußte. Der US-Boxer hat seine Goldmedaille noch immer nicht zuerkannt bekommen. Lediglich ein Ringrichter wurde lebenslang gesperrt (aber erst 1996), und die Wertungsregeln wurden vergleichbar radikal geändert wie im Eiskunstlauf.

In vielen Fällen bleibt es allerdings schwierig, von eindeutig korruptem Verhalten zu sprechen. Das liegt zum einen daran, daß Korruption von Nation zu Nation unterschiedlich ausgelegt wird. Ein Beispiel hierfür ist die Vergabeentscheidung der Fußball-WM 2006 nach Deutschland. Hier gibt es Vorwürfe, es sei mit Hilfe der Vereinbarung von Freundschaftsspielen des FC Bayern München mit Mannschaften aus Thailand, Tunesien, Trinidad und Malta nachgeholfen worden, für welche ferner lukrative Fernsehverträge zugunsten der fremden Verbände abgeschlossen wurden. manus manum lavat“ (zu deutsch: Eine Hand wäscht die andere Hand)

Angesichts der täglich vielen Sportbegegnungen in der Welt relativieren sich die nachgewiesenen Korruptionsfälle im Sport. Selbst das Ausmaß der IOC-Korruption Ende der vorigen Dekade relativiert sich. Nach intensiven Ermittlungen wurden keine zehn Prozent der IOC-Mitglieder bestraft; der überwältigende Anteil der rund 100 Mitglieder hat sich korrekt verhalten.

Und die wenigen, damals bestraften IOC-Mitglieder können durchaus auch als Beispiel dafür genommen werden, daß die konkrete Be- und Verurteilung der Korruption oft auf Probleme stößt.

Immerhin wurde die Anklage des US-Justizministeriums gegen die oben genannten ehemaligen Chefs des Bewerbungskomitees von Salt Lake City vom US-Bundesgericht in Utah zurückgewiesen.

Weil kein Beweis für einen Gesetzesverstoß vorliege, endete diese Angelegenheit mit einem Freispruch erster Klasse.

Noch Fragen?

Gruß Maria Lourdes

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From → Brot und Spiele

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