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Wirtschaft Russlands in der Geschichte der Neuzeit

2. August 2011

Wirtschaft Russlands in der Geschichte der Neuzeit

Das Ende der 80-er Jahre charakterisieren die Wirtschaftsexperten als die Zeit einer Krise des zentralisierten Führungssystems in der UdSSR. Die sowjetische Wirtschaft zeichnete sich durch eine grosse Menge von Grossbetrieben, die sich hauptsächlich mit der Produktion im Lande beschäftigt haben, ein Kommandosystem bei der Verteilung von billigen Rohstoffen und Energieträgern, eine totale Regelung der Preispolitik und eine absolute Isolation vom internationalen Wirtschaftsmarkt aus.

Eine enorme Rolle spielten in diesem System der Militärkomplex und die Militärindustrie, die laut verschiedener Einschätzungen ca. die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts in der UdSSR verbrauchten. Ende der 80-er Jahre, als das Kommando-Verteilungssystem im Endeffekt der Reformen von Michail Gorbatschow geschwächt wurde, kam es zu allgemeinen Störungen in der Verbindungen zwischen den Betrieben und Wirtschaftsbranchen. Es führte zu einer Zerrütung der Wirtschaft und zur Entstehung eines Defizits vieler Waren, darunter auch der Waren des Tagesbedarfs.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion haben der Präsident Russlands Boris Jelzin und die Regierung unter dem Vorsitz von Jegor Gaidar mit der Umsetzung liberaler Reformen begonnen.

Am 2. Januar 1992 trat der Erlass „Über die Liberalisierung der Preise“ in Kraft: Der Staat verzichtete auf die Kontrolle über die Gross- und Einzelhandelspreise von 90 Prozent der Warenproduktion. Ende des Jahres 1992 stiegen die Preise für die meisten Waren um das 25-30fache, der allgemeine Rückgang der Produktion belief sich auf 20-25 Prozent. Dabei konnte Russland (im Unterschied zur Sowjetunion) zum ersten Mal im Laufe von Jahrzehnten einen positiven Bilanzüberschuss im Aussenhandel mit dem Westen erwirtschaften, seine Währungseinkünfte betrugen 1992 laut verschiedener Einschätzungen von sieben bis zehn Mrd. US-Dollar.

Damals wurde auch das staatliche Aussenhandelsmonopol aufgehoben und eine freie Konvertierbarkeit des Rubels eingeführt. Es brachte dazu, dass die Exporte von Erdöl, Erdgas, Buntmetallen, Holz und anderen Arten des Rohstoffs wesentlich gewachsen haben. Später wurde der Rohstoffcharakter der russischen Exporte sogar im Vergleich zur Sowjetzeit zusätzlich gefestigt.

Ende 1991 hat man mit der Privatisierung des staatlichen Eigentums begonnen, die aber schon 1994 abgeschlossen wurde. Im Herbst 1992 wurden an Bevölkerung die sogenannten Vouchers, Privatisierungsschecks im Nominalwert von 10.000 Rubel vergeben. Ihren Wert berechnete man durch eine Division vom Buchwert des gesamten staatlichen Vermögens durch die Anzahl der Landesbewohner.

Zur gleichen Zeit wurde mit der Verwandlung der Betriebe in Aktiengesellschaften begonnen. Es wurden ca. zwei Mio. Investmentsfonds gegründet, die die Vouchers in Betriebsaktien umtauschten. Doch für die ersten Scheck-Auktionen wurden von dem Staat die wenigen unattraktiven Betriebe dargestellt. Deshalb wurden Millionen Menschen zu Inhabern von Aktien, deren Wert bis heute fast gleich Null ist.

Im Juli 1994 ist die Tilgungsfrist der Vouchers abgelaufen. Als Ergebnis dieser Privatisierungsetappe wurde eine Menge von Betrieben, darunter auch Grossbetrieben, die fast zusammengebrochen waren, für einen unangemessen kleinen Preis losgekauft. So wurde bsw. das berühmte Werk „Uralmasch“, das über 100.000 Arbeiter beschäftigt hatte, letzendlich für zwei Mio. US-Dollar verkauft. Den Grossteil der Betriebe verkaufte man bei Geld-Versteigerungen, als ihr Buchwert nur als Startpreis fungierte. Die Durchführung von Versteigerungen zeichnete sich durch massierte Missbräuche aus. Deshalb versuchte die Staatsduma mehrmals, die Frage über die Aufhebung der Privatisierung selbst und später ihrer Ergebnisse auf die Tagesordnung zu bringen.

Die ausländischen Unternehmen wurden zu den Versteigerungen erst Ende 1994 zugelassen. Dabei haben die Gewinne vom Absatz der Industrieobjekte nie mehr als ein Prozent des russischen Jahreshaushalts betragen. Nach der Durchführung der Privatisierung entstand in Russland eine neue soziale Klasse der sogenannten „Oligarchen“ – Geschäftsleute, die es geschafft haben, besonders attraktive Objekte des Staatseigentums vor allem in der Rohstoffbranche zu erwerben.

1995 zeichnete sich mit einer gewissen Stabilisierung der Wirtschaft in Russland aus. Die Rezession hat sich deutlich verlangsamt, es wurde sogar ein Wachstum in Höhe von einigen Prozentzehnteln in den Branchen wie Metallurgie, Elektroenergie, Petrolchemie u.a. verzeichnet. Die Inflation ging wesentlich zurück – bis 1998 blieb sie auf dem Niveau ca. 30 Prozent pro Jahr.

Doch nach den Angaben des Instituts für Wirtschaft der Wissenschaftsakademie Russlands betrug der gesamte Produktionsrückgang Ende 1995 51 Prozent im Vergleich zu dem Stand von 1990. Besonders schlecht war die Lage der Industriezweige, die auf die Nachfrage der Endverbraucher angewiesen waren: Leichtindustrie (83 Prozent des Produktionsrückganges), Nahrungsmittelindustrie (56 Prozent). Schwer getroffen waren auch die Branchen, die hohe Investitionen benötigten: Maschinenbau, holzverwertende und holzverarbeitende Industrie (59 Prozent), Industrie der Baumaterialien (58 Prozent). 43 Prozent der Betriebe arbeiteten mit Verlust, in manchen Industriezweigen bildete diese Zahl fast 60-80 Prozent zusammen.

Diese Periode war von einem aktiven finanziellen Beistand der IWF flankiert und dauerte bis August 1998. In dem Jahr erlebte die Wirtschaft Russlands die stärkste Krise seit der Perestrojka, die durch einen 3fachen Kursverfall des Rubels zum US-Dollar während drei Tagen gekennzeichnet war.

Es gab zwei Hauptursachen für die Krise: starker Einbruch bei Erdölpreisen, die eine der Hauptquellen des Haushalts darstellten, und Einsturz der von der Regierung aufgebauten „GKO-Pyramide“. Diese Pyramide sollte gewährleisten, dass der Staat mit den Inhabern der staatlichen Wertpapiere (GKO) durch die Begebung immer neuer Obligationen mit einem höheren Zinssatz abrechnete.

Anfang 1998 konnten einheimische Verbraucher schon mehr als 50 Prozent ihrer Bedürfnisse mit Importwaren befriedigen. Wegen der gestiegenen Preise verringerten sich die Importe im Dezember 1998 auf 60 Prozent und blieben 1999 auf diesem Niveau. Das BIP reduzierte sich 1998 im Vergleich zu 1997 um 4,9 Prozent, die Produktion der Industriewaren hat sich auf 5,2 Prozent verringert. Die Inflation machte 84,4 Prozent aus. Laut Ergebnissen des Jahres 1998 stieg der offizielle Dollar-Wechselkurs von 5,96 Rubel für einen US-Dollar auf 20,62 Rubel für einen US-Dollar. Im Laufe von 1998 verringerten sich die Gold- und Währungsreserven der Zentralbank Russlands insgesamt auf 5,5 Mrd. US-Dollar (von 17.784 auf 12.223 Mrd. US-Dollar, auf 31,3 Prozent). Die Krise führte zum teilweisen Verfall des Systems der Geschäftsbanken.

Andererseits hat der Aussenhandelsumsatz bedeutend gewachsen und bereits 1999 machte sein positiver Bilanzüberschuss 32,5 Mrd. US-Dollar aus. Wegen gestiegener Preise für Importwaren nahm die Wettbewerbsfähigkeit einheimischer Produktion rapide zu. 1999 betrug das BIP-Wachstum drei Prozent, hauptsächlich auf Kosten von den exportierenden und importverdrängenden Industriebranchen. Die Industrieproduktion wuchs auf 7,5 Prozent. Die Wirkung der Dollar-Abwertung hielt durch das ganze Jahr 2000 an, und dieses Jahr wurde laut der Statistik zum erfolgreichsten Jahr für die russische Wirtschaft seit den 60-er Jahren. Das BIP-Wachstum betrug 7,5 Prozent, der Ausstoss der Industrieproduktion wuchs auf 12 und die Ausfuhren – auf 40 Prozent. Die ausländischen Investitionen vergrösserten sich um 18 Prozent, die Gold- und Währungsreserven der Zentralbank Russlands erreichten 30 Mrd. US-Dollar. Es ist desto wichtiger, dass die Schuldentilgungen der ausländischen Gläubigen, die gegenwärtig ca. 140 Mrd. US-Dollar ausmachen, ein grosses Problem für die Wirtschaft darstellen. 2001 erwartete man, dass die wichtigsten Wirtschaftskennziffern nicht so stark zunehmen werden (man rechnete mit 3-4 Prozent), aber unter Umständen der weltweiten Rezession kann man ein solches Ergebnis trotzdem hoch einschätzen.

Zehn Jahre nach dem Beginn der Reformen sind in der Wirtschaftsstruktur Russlands wichtige Veränderungen gekennzeichnet, die aber immer noch nicht erlauben, den Hauptnachteil des Systems, nämlich die Abhängigkeit vom Export von Rohstoffen zu beseitigen. Zurzeit gewährleisten die Rohstoffen 75 Prozent aller Export-Einnahmen Russlands und machen zusammen mit der Militärindustrie 90 Prozent des Export-Potentials des Landes aus. Das Rückgrat der russischen Wirtschaft bilden nach wie vor die grossen natürlichen Monopole wie „Gazprom“, RAO EES Rossii, das Eisenbahnministerium und eine Reihe anderer Monopole. Der Staat verfügt über wesentliche Aktienanteile in diesen Monopolen und setzt eine Tarifregelung durch.

Die Staatsorgane haben mehrmals versucht, der Entwicklung von kleineren und mittleren Unternehmen einen Schub zu geben. Deren Anteil an der russischen Wirtschaftstruktur ist nach wie vor sehr gering. Andererseits wird bereits mehr als 70 Prozent der einheimischen Produktion von Betrieben im nichtstaatlichen Sektor hergestellt. Die Regierung setzt die Liberalisierung und Restrukturierung der Wirtschaft fort. Es ist ein Ausbau und weitere Entwicklung des Wertpapiermarktes, die Schaffung des Konkurrenzmilieus auf dem Gebiet der natürlichen Monopole sowie eine allmähliche Erhöhung der Tarife bis auf das Weltniveau geplant.
Nach der präzedenzlosen Herabsetzung von der Steuerlast (bei der Einkommensteuern gelten in Russland heute die niedrigsten Sätze in Europa, 13 Prozent, die Gewinnsteuer wurde von 35 auf 24 Prozent reduziert) beabsichtigt die Regierung, in den Bereichen der Steuer- und Zollverwaltung geordnete Verhältnisse zu etablieren. Das ermöglichte 2000 und 2001 noch mehr Mitteln als geplant in den Haushalt zu überbieten. Es werden Programme für die Restrukturierung von natürlichen Monopolen, dem kommunalen Wohnungskomplex und der Militärindustrie konzipiert.

Quelle: RussiaToday

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