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Im Schatten des Bösen – Vergewaltigungen im Kongo

1. September 2011

Quelle: Weltkrieg.cc

Das Krankenhaus Panzi liegt in Bukavu, der Hauptstadt der Provinz Süd-Kivu. Dort werden schwer verletzte und traumatisierte Frauen und Mädchen behandelt. Sie sind Opfer grausamer Vergewaltigungen geworden. Denn im Nordosten des Kongo herrscht noch immer Krieg. Milizen marodieren durch die unzugänglichen Wälder. Sie töten, plündern, brandschatzen. Frauen und Kinder werden systematisch vergewaltigt und misshandelt.
Ndamosu M’Buefuh ist 70 Jahre alt. Sie wurde mehrmals vergewaltigt, ihr Ehemann und ihre fünf Kinder getötet.

Die dreissigjährige Ntakobajira M’Bisimwa wurde als Sexsklavin in einem Rebellenlager gefangen gehalten. Die achtzehnjährige Noella M’Mburugu musste diese Tortur drei Jahre aushalten. Sie gebar dort einen Sohn. Sie nannte ihn „Amani“, was soviel bedeutet wie Frieden. Ihre Peiniger entrissen ihr das Kind und jagten sie fort, denn sie wurde krank, konnte nicht mehr arbeiten. Häufig finden die Vergewaltigungen öffentlich statt, vor der ganzen Dorfgemeinschaft, ihren eigenen Kindern, Ehemännern, Grossvätern.Sie alle leiden unter extremen Angstzuständen und fürchten, wieder in ihre Heimatdörfer zurückkehren zu müssen, dann nämlich wenn die medizinische Behandlung im Krankenhaus Panzi abgeschlossen ist.

Die Täter sind in Süd-Kivu vor allem Hutu-Milizen, die 1994 nach dem Völkermord in Ruanda im Nachbarland Kongo Zuflucht suchten. Sie finanzieren ihre Waffen mit der Ausbeutung von Rohstoffen. Das Ziel der Verbrecher: Terror, die Ausübung von Macht durch Erniedrigung, Demütigung und Zerstörung. Vergewaltigung wird dabei systematisch als Kriegswaffe eingesetzt.

Hintergrund: Susanne Babila, Kameramann Jürgen Killenberger und Tontechniker Felix Hugenschmidt haben einige Frauen vier Wochen begleitet und sind Zeugen unvorstellbarer Menschenrechtsverbrechen geworden.

Die Menschen im Kongo kennen nach zehn Jahren Krieg nur Chaos und Gewalt. Über vier Millionen Tote gab es bisher – die meisten starben an auf der Flucht an Hunger und Krankheiten. Seit 2003 herrscht zwar offiziell Frieden, doch das Land kommt nicht zur Ruhe. Rivalisierende Milizen brandschatzen, vergewaltigen, töten. In der Provinz Süd-Kivu sind es vor allem Hutu-Rebellen, die nach dem Völkermord 1994 in Ruanda im Süd-Kivu Zuflucht suchten. Sie haben sich in den unzugänglichen Wäldern eingenistet, gemeinsam mit kongolesischen Banditen. Bis zu zehntausend sollen es sein. Sie marodieren durch die Dörfer, vergewaltigen, brandschatzen, töten. Wer nicht mit den Milizen kollaboriert oder sie gar verrät, wird erbarmungslos bestraft.

Rund 18 Tausend UN-Friedenssoldaten sind im Nordosten des Landes stationiert, doch sie können nur wenig ausrichten. Denn die Provinz ist so groß wie Irland und es gibt keine Straßen, nur Schlammpisten oder Trampelpfade. Die UN-Soldaten können viele Dörfer nicht erreichen und kennen sich nicht aus. Sie liegen im Dschungel, es ist gebirgig. Derzeit gibt es keine Funkmasten für Handys, keine Telefone, keine Infrastruktur. Also auch kein genaues Frühwarnsystem vor neuen Angriffen. Ein ideales Gebiet für Banditen. Vergewaltigung wird als Waffe im Krieg eingesetzt. Vor allem werden Frauen und Kinder systematisch vergewaltigt und misshandelt. Frauen jeden Alters, 80-jährige Großmütter oder 5-jährige Mädchen, sogar Babies, sind Opfer unvorstellbar grausamer sexualisierter Gewalt. Grausame Praktiken, die japanische Eroberer in China, serbische Milizen in Bosnien oder deutsche Wehrmachtssoldaten an den Frauen ihrer „geschlagenen Feinde“ oder in Konzentrationslagern ausübten.

Die Täter meinen durch die Vergewaltigung von Jungfrauen übernatürliche Kräfte zu erlangen oder vor Aids geschützt zu sein. Viele Frauen werden nach den Vergewaltigungen umgebracht oder sterben an den Folgen. Oder sie nehmen sich selbst das Leben. Die Überlebenden sind schwerst traumatisiert. Meist ist für die Opfer eine Rückkehr in die Dörfer ausgeschlossen.

Vergewaltigung, noch dazu durch einen Soldaten, gilt im Kongo als größte Schande für die Familie und ist ein Tabuthema. Denn die Frau gilt als Symbol der Ehre und Moral. Wird sie vergewaltigt, ist die Familienehre beschmutzt. Manche Männer verstoßen ihre vergewaltigten Frauen, andere Brüder, Väter, Ehemänner irren verwirrt in den Wäldern umher, weil sie selbst traumatisiert sind. Für die schwerst traumatisierten Opfer gibt es so gut wie keine medizinische, psychologische oder materielle Hilfe. Ganz zu schweigen von den Kindern, die häufig Zeugen der Gräueltaten wurden. Dadurch bleibt das Trauma generationsübergreifend bestehen.

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen im Krieg ist so alt wie der Krieg selbst. Das Thema Vergewaltigung und Frauenraub durchzieht die gesamte griechische und römische Mythologie. Sie dienen der Demütigung, Erniedrigung und Zerstörung des Feindes. Ob heute im Sudan, in Tschetschenien, Kolumbien oder Indonesien oder vor fünfzehn Jahren in Bosnien, im Vietnamkrieg, beim Eroberungsfeldzug der Japaner im China der dreißiger Jahre, im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Soldaten, in Zwangsbordellen von Konzentrationslagern oder vor 60 Jahren kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges durch sowjetische, französische oder US-amerikanische Soldaten in.

Viele Frauen nehmen sich das Leben, weil sie die Erinnerungen nicht verkraften oder an Aids erkrankt sind. Vor allem junge Frauen landen in der Prostitution, andere werden alkoholabhängig. Ohne Hilfe ist ihre Situation ausweglos. Zwar können Frauen vor einen Internationalen Strafgerichtshof ziehen, doch wer unterstützt sie in einem Land wie dem Kongo, das sich zwar bemüht nach den Wahlen eine Regierung zu bilden, aber noch weit davon entfernt ist über ein auch nur rudimentär funktionierendes Justizsystem und eine Strafverfolgung zu verfügen. Viele Frauen trauen sich nicht über die Gräuel zu sprechen, schämen sich und haben Angst vor Rache.

Die systematischen Vergewaltigungen und Misshandlungen der Frauen im Kongo sind eine Kriegswaffe, die gezielt eingesetzt wird. Die Frauen sind der Motor der Gesellschaft, ganz besonders in Afrika; sie bestellen die Felder, ernähren die Familie und erziehen die Kinder.

Mit der Zerstörung der Frau wird der Motor, das Herz des Landes zerstört.

Ausgezeichnet wurde diese einfühlsame, aufmerksame und fesselnde Dokumentation mit dem Marler Fernsehpreis und dem Menschenrechtsfilmpreis.

hier gehts zum Film

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