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Zur Unterdrückung der Freiheit mittels der Service-Center

27. Dezember 2011

Ein voll funktionsfähiges altes TelefonDIE HERRSCHAFT DER CALL-CENTER – Wenn die veröffentlichte deutsche Meinung über Diktaturen klagt, dann finden die gerne woanders statt. Heute im arabischen Raum, früher in der DDR, noch früher während der mongolischen Reiterzüge.

Dass sich in den letzten Jahrzehnten eine neue Herrschaft herausgebildet hat, die unter dem Namen „Service“ einer terroristischen Diktatur durchaus gleichkommt, entgeht der medialen Debatte angeblich. Quelle: rationalgalerie.de Autor: U. Gellermann

Wahrscheinlicher aber ist, dass Zeitungen und Rundfunkhäuser in die Verschwörung der Service-Center fest eingebunden sind. Denn wann immer man bei den von Abonnenten bezahlten Kunden-Diensten der Zeitungen anruft, um eine Korrektur der Lieferung zu erreichen, geht man mit Versprechungen aus dem Telefonat in eine tiefe Depression hinein, wohl wissend, nichts davon wird eingehalten werden. Wer schon mal bei einem Sender – gleich ob Rundfunk oder Fernsehen – versucht hat, einen Verantwortlichen zu erreichen, der kennt die öffentlich-rechtliche Omerta, die undurchdringliche Schweige-Mauer, die der Abschirmung jeglichen Zugriffs der eigentlichen Eigentümer auf des jeweilige Funkhaus dient: Zahlen Sie Gebühren und halten sie sich raus! Aber was der Staat kann, das kann Privat noch besser.

Da ist der sattsam bekannte Fall eines beliebigen Internet-Providers, der mit einer monatlichen Zahlung seitens seiner Kunden eigentlich einen störungsfreien Zugang zum Netz garantiert. Eigentlich. Aber wenn mal wieder das Uneigentliche eintritt und der untertänige Zahler bangend, kaum hoffend, den jeweiligen Service anruft, beginnt ein byzantinisches Unterwerfungsritual, das die Machtverhältnisse in brutaler Deutlichkeit offenlegt. Am anderen Ende der Leitung meldet sich ein Mensch, dessen Namen fast nie verständlich ist. Ist er doch zu verstehen, ist der Name unter Garantie falsch. Denn für die nun folgende diktatorische Posse will natürlich niemand persönlich verantwortlich sein. Nachdem der Kunde seine Kunden-Nummer rapportiert hat, die dem Kundendienstler alles auf den Computer-Schirm zaubert – vom Vertragsverhältnis bis zur Kreditwürdigkeit – was er braucht um tätig zu werden, wird der Kunde angeherrscht, er möge seine Telefon-Nummer herausgeben. Nun ist das genau die Nummer, über die der Internetzugang läuft, sie ist also für das Call-Center prima lesbar. Aber wer das einwendet, fliegt sofort aus der Leitung, also lieber nichts sagen, lieber unterwerfen.

Nach der völlig sinnlosen Nummern-Frage, kommt die nach der Stromzufuhr: Ist Ihr Gerät an das Stromnetz angeschlossen? An einer solchen Frage haben Tiefen-Psychologen lange Jahre gearbeitet. Unterstellt sie doch die völlige Blödheit des Anrufenden und versetzt ihn in den Infantil-Zustand: Vati (oder Mutti) sitzen im Call-Center, der Kunde in seinem Laufstall und der Computer ist die vom Kind falsch bediente Rassel. Doch zur angeblichen Datensicherheit folgen noch die Aufforderungen, Adresse und Vornahmen zu nennen. Denn am Kunden-Ende der Leitung könnte ja, so die offizielle Begründung, ein Verbrecher sitzen, der gar nicht berechtigt ist eine Störung zu melden. Und wer weiß, was der unberechtigte Störmelder, nachdem er sich illegal des Nutzer-Telefons bemächtigt und sich dessen Kundennummer angeeignet hat, mit seiner Meldung beabsichtigt: Wahrscheinlich den Untergang des Abendlandes.

Nicht genug der Namens-Prüfung. Wie heißt denn ihr WLAN-Router? Man sieht das heimtückische Lächeln des Kundenschänders durch den Draht. Denn der hat den Namen der Box, vom Provider geliefert, natürlich auf seinem Schirm. Sie aber müssen sich bücken. Weil Sie natürlich nicht den Namen des Gerätes im Kopf haben, weil der Router irgendwo unter Ihrem Schreibtisch liegt. Wer jetzt fragt, ob er auch den Vornamen des Routers mitteilen soll, hört schon das Tuten des Besiegten aus dem Telefon. Keine Frechheiten heißt das, wer Widerworte gibt, geht auf Anfang, in die Warteschleife mit der dämlichen Musik. Also: Melde gehorsamst, der Router heißt . . . Ein grummelndes Mmmh, dringt aus dem Telefonhörer. Dann die Frage aus den Tiefen der Service-Center-Gedanken: Haben Sie das öfter? Aufpassen! Wer zugibt, dass er die Störungen häufiger hat, macht sich als unfähiger Nutzer verdächtig. Wer sagt, dass sei das erste Mal, wird schnell als Bagatell-Fall abgetan, der sich nur wichtig macht und der Hilfe des Call-Centers nicht würdig ist. Vor allem aber entlarvt er sich als Lügner. Denn auf dem Rechner des Service-Verhinderers ist zu sehen, dass der unwürdige Kunde in diesem Jahr schon mehrfach um Hilfe gefleht hat. Was Sie auch sagen, es wird falsch sein.

Irgendwann wird die Störung beseitigt. Aber darum geht es nicht. Es geht um eine neue Stufe kapitalistischer Formierung. Reichte es früheren Kapitalismen, wenn sie ihren Profit aus simpler Ausbeutung bezogen, wenn die Sicherung ihrer Herrschaft aus einem einfachen Mix von Staatsgewalt und Besitz an den Medien bestand, ist das Call-Center heute der entscheidende Schritt zur Gewalt gegen Kunden. Einst, in der guten alten Zeit, als dem Kapitalverhältnis nur Kriege entsprangen und Parteien, die das machten was ihre Geldgeber wünschten, war immerhin ein Verhältnis gesellschaftlichen Lebens noch frei von Herrschaft: Die Verkäufer-Käufer-Beziehung. Sicher, gern nahm der Verkäufer, durch Monopolisierung zum Beispiel, einen netten, unredlichen Extra-Profit mit. Auch wurden hin und wieder Waren verkauft, die ohne Wert waren. Aber der Kunde wurde König geheißen und im Großen und Ganzen war er es auch, für den Moment der Geldübergabe zumindest. Das ist für immer vorbei. Das neue kapitalistische Herrschaftsmodell ist ein altes: Die Sklavenhalterei mittels der Service-Center. Deshalb ist der Aufruf „Occupy Wall Street“ zwar gut gemeint. Aber die neue Losung kann nur lauten: Zerschlagt die Call Center, kappt die Telefonleitungen, mit denen Ihr gefesselt seid, übernehmt die Provider und versorgt Euch selbst!

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