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Schlecker Insolvenz: Pleite des Drogerie-Riesen – Schlecker

21. Januar 2012

Seit Jahren kämpft die Drogeriemarktkette gegen sinkende Umsätze an. Doch das Familienunternehmen hat den Kampf verloren und steht vor einer Planinsolvenz. FTD.de zeigt, warum der einstige Erfolgsdrogerist gescheitert ist – und wie es weitergehen soll. von Gregor Kessler und Kathinka Burkhardt – ftd.de

Schlecker an der Günterstalstraße

Was ist schief gegangen?

Wer sich nicht wandelt, wird abgehängt, lautetet ein alter Marketingspruch: Schlecker hat sich nicht gewandelt. Die große Zeit des Drogisten waren die 70er- und 80er-Jahre – als Tante-Emma-Läden von den großen Supermärkten am Stadtrand verdrängt wurden und Schlecker mit seiner rasant wachsenden Zahl an Läden die Rolle des Nahversorgers übernahm. Danach hat sich bei der Drogeriekette kaum mehr etwas geändert – bei den Wettbewerbern dagegen viel. Seit den 1990er-Jahren haben auch Discounter, Supermärkte und Großdrogerien ein Filialnetz aufgebaut, das bis in die Stadtteile reicht. Ihre Läden sind hübscher, die Preise oft niedriger. Dazu wird kein Lieferant und kein Kunde gerne in Verbindung mit einem Händler gebracht, der seine Angestellten schlecht behandelt: In den letzten Jahren machte Schlecker vor allem wegen der Bespitzelung und Einschüchterung von Mitarbeitern Schlagzeilen.

Geht es dem gesamten Markt für Drogerieketten schlecht?

Die Probleme von Schlecker sind hausgemacht: Der Markt für Drogisten wächst seit Jahren kontinuierlich, Konkurrenten wie Rossmann und dm legen konstant gute Ergebnisse vor. Sie sind es auch, die von Schleckers Imageverlust bei Kunden und Lieferanten profitiert haben: Nachdem das Unternehmen in den 1990er-Jahren zum Marktführer wurde, hat Rossmann Schlecker in den vergangenen Jahren deutlich abgehängt und auch der Dritte im Markt, dm, wächst beständig.

Wer hat Schlecker heruntergewirtschaftet?

Schlecker ist ein in zweiter Generation geführtes Familienunternehmen: 1975 eröffnet der gelernte Metzger Anton Schlecker im baden-württembergischen Kirchheim unter Teck seinen ersten Drogeriemarkt – erfolgreich. Nur zwei Jahre später gibt es bereits rund 100 weitere Filialen in Süddeutschland. Bis 1994 steigt Schlecker zum Marktführer bei Drogerien in Deutschland auf und expandiert auch im Ausland: Österreich, die Niederlande, Spanien. 1991 folgt Frankreich und 1999 Italien. Bis 2007 wächst das Unternehmen auf 14.000 Läden weltweit an.

Doch der heute 67-jährige Firmenpatriarch, der auf ein Vermögen von 3 Mrd. Euro geschätzt wird, verpasst den Wandel – und kann nicht loslassen. Erst als es schon zu spät ist, nachdem der Umsatz eingebrochen ist und nach und nach bereits Tausende Läden geschlossen werden müssen, öffnet sich das von ihm autokratisch geführte Unternehmen; Eigenverantwortung der Mitarbeiter, Kreativität und ein offener Diskurs sollen möglich werden. Dafür verantwortlich sind in erster Linie seine Kinder Lars und Meike Schlecker, die wie die Mutter der Geschäftsführung angehören. Mitte 2011 versuchen sie mit einer Medienoffensive das angeschlagene Image des Unternehmens aufzupolieren. 230 Mio. Euro wollen sie in die Modernisierung der Filialen stecken, 2012 wieder Gewinne vorlegen. Der Schritt kommt zu spät: Die Kunden kehren nicht schnell genug zu Schlecker zurück. Selbst der neue Claim „For you Vor Ort“, der eigentlich für ein neues weltoffenes Image sorgen soll, zieht einen Shitstorm im Internet auf sich, nachdem eine Unternehmenssprecher das Denglisch mit der nicht besonders gebildeten Zielgruppe der Schleckerkunden begründete. Indes schrumpft der Umsatz unaufhaltsam – die Insolvenz wird unumgänglich.

Wie geht es weiter?

Schlecker soll in einer Planinsolvenz saniert werden, die meisten der rund 30.000 Arbeitsplätze und 7300 deutschen Filialen erhalten werden. Der Kern eines solchen Verfahrens sieht einen Sanierungsplan mit umfassenden Businessplan vor, dem die Gläubiger mehrheitlich zustimmen müssen. Im Gegensatz zur Regelinsolvenz würde Schlecker demnach nicht abgewickelt, um Lieferanten und Banken auszahlen zu können, sondern das Unternehmen würde gesund geschrumpft und neu organisiert werden.

Dieser Weg birgt ein Risiko: Die Gesellschafter, in diesem Fall die Schlecker-Familie, können nicht zu Zugeständnissen gezwungen werden, da die Rechtsform des Unternehmens in der Planinsolvenz bestehen bleibt. Fordert eine Bank etwa eine Kapitalerhöhung, kann die Familie ihr Veto einlegen – und müsste im Notfall entmachtet werden, um neue Verluste für Banken und andere Gläubiger zu vermeiden. Erfolgreiches Beispiel: Vor zwei Jahren sah es so aus, als stünde der Klavierbauer Schimmel vor dem Aus. Nach einer Planinsolvenz legt er aber nun wieder Umsatzzwächse vor.

 

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2 Kommentare
  1. Waffenstudent permalink

    1. NICHT DIE LÖHNE, SONDERN DIE MIETEN SIND DAS PROBLEM VON SCHLECKER:

    Was hier völlig untergeht, das ist die Tatsache, daß wir eigentlich ein Problem mit unseren Gewerbeimmobilien in der BRDDR haben. Schleckerläden waren immer gemietete Objekte, die sich zudem in Randlagen befanden. Aber dennoch verlangte man dort gesalzene Preise. Wie man sieht, reicht es nicht mehr aus, wenn man am Markt mit preiswertigen Produkten und unterbezahltem Personal agiert, die bezahlten Ladenmieten sich allerdings am teuren Standart orientieren. In der Zukunft wird es heißen: Ladenmieten runter, Löhne runter, Preise rauf! (Oder hieß das bei der DKP nicht etwa: Mieten runter, Preise runter, Löhne rauf!) Gut, derartiges propagierten die Kommunisten mal vor dreißig Jahren. Aber irgend etwas wird mit den Mietpreisen der Gewerbeimmobilien geschehen. Aber nun stehen sie erst mal lange lange leer!

    2. Die vorgebrachte Schlecker-Kritik der vielen betriebswirtschaftlichen Strickstrumpfphilosophen argumentiert auch gegen die deutsche Volksgemeinschaft: Wo bitte sind denn die angepriesenen Ersatzarbeitsplätze? Wer geht denn jetzt in die leerstehenden Schleckerläden rein? Da gehen Linke und Nescher rein, denen die Gemeinde die Mieten finanziert! Und die vielen arbeitslosen Schleckerleute, die müssen sich vom Sparvertrag, Zweitwagen, dem Urlaub und den noch unbezahlten Eigenheim verabschieden. Und hinter jedem Schleckerjob fällt unsichtbar noch mal ein Spediteur, Lagerarbeiter, Steuerberater, Haustechniker, Hausverwalter usw in die Arbeitslosigkeit! (In meinem Schleckerladen, schafft eine Ossifrau, die wird am Wochenende immer mit einen sündhaft teuren BMW abgeholt) Und wenn ein prekariates Stadtviertel erst mal länger einen bestimmten Anteil am Leerstand hat, dann kann man es nur noch abreißen.

    3. Daß die Insolvenz derart hochkocht hat tiefere Ursachen. Die Schleckers haben es sich mit den Gewerkschaften und Banken verdorben: Man wollte keinen Betriebsrat und auch keine Kredite, vor allem aber wollte man keinen Investor. Dazu kommt, daß die Familie von Anfang an extrem medienscheu war, und die „Bunten Blätter“ hier keinen leichten Reibach absahnen konnten. Trotzdem war die Firma in den letzten Jahren nicht mehr fähig, ihre viel zu teuren Mieten zu erwirtschaften. Bei aktuellen Jungfacharbeiternettolöhnen von 1500 Euro muß sich die junge Hausfrau auch beim Kauf von Schleckerprodukten disziplinieren. Angesichts dieser Tatsachen, wird Schlecker nur den Anfang einer Kette von Insolvenzen bilden. Verlierer dieser Entwicklung werden die Vermieter der Gewerbeimmobilien sein. Und das betrifft vor allem die Gemeinden.

    4. Der aktuelle Presseaufschrei zur Schlecker-Insolvenz übertritt bei weitem den Medienwirbel bei Pleiten, die der deutschen Volkswirtschaft wirklich bitter weh getan haben, denn hochqualifizierte Arbeitsplätze und Patente sowie Immobilien hat der Betrieb ja nicht zu bieten. Aber Schlecker wird die Mieten halbieren, die Aufwendungen für Versicherungen und seine Zulieferer sowie all die vielen Subunternehmer beschneiden und weiter machen; denn niemand kann auf die Einnahmen von Schlecker verzichten.

    5. Gestern war es Schlecker, wer ist morgen dran? Die ersten Aldiläden, die ich um 1970 kennen lernte, befanden sich in Lagerhallen und Gebäuden, welche vor dem Abriß standen. Es sollte mich nicht wundern, wenn diese Geschäftsidee bald wieder um sich greift. Bei Benzinpreisen von 3 DM wird manche Fahrt zum Supermarkt ein teures Vergnügen, auf das man besser verzichtet.

  2. Catweazle permalink

    Es gab da wohl 2 grundlegende Ursache für die Pleite:
    1. Das gesamte (Umsatz)Wachstum von Schlecker wurde per Kredit finanziert. Es wurde immer nur die Anzahl der Läden und damit die Ladenfläche erhöht. Leider spielte da der Umsatz per Quadratmeter zunächst überhaupt keine Rolle. Sowohl die Geschäftsführung als auch die Kreditgeber schauten nur auf die absoluten Zahlen. Die wuchsen selbstverständlich zunächst immer schneller an. Doch der Zeitpunkt an dem die Filialen es nicht mehr schaffen konnten sowohl den eigenen Betrieb als auch die Kredite zu finanzieren lag ja schon sehr lange in der Luft. Der Knall war praktisch unausweichlich.
    .
    2. Die moralischen Verfehlungen der Firma Schlecker trugen nicht unerheblich zum Kunden- und damit Umsatzschwund bei. Das was Schlecker da ablieferte war sogar das größere Schurkenstück. Zum Anfang beliess man es ja nur bei Lohndumping und unsäglichen Arbeitsverhältnissen. Unter Ganoven war Schlecker auf Grund des Ein-Frau-Betriebes der Filialen besonders beliebt bei Diebstahl und Raub. Dann kam Schlecker jedoch auf die grandiose Idee noch mehr Geld aus den Mitarbeitern heraus zu quetschen und kündigte ihnen zunächst um sie sofort über seine eigene Leiharbeitsfirma einzustellen. Natürlich nicht mehr annähernd zu den übliche Tarifen aber das war dieser Räuberfamilie ja egal. Die Presse wurde schlechter und schlechter und die Kunden machten sich vom Acker.
    .
    Jetzt dürfen die Kunden und Nicht-Kunden die Firma Schlecker über zig Schuld- und Steuerabschreibungsmöglichkeiten retten. So etwas hat die Bevölkerung hier nicht verdient.

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